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DAS VOLLBLUT

"Ein Pferd galoppiert mit seiner Lunge, hält durch mit seinem Herzen und gewinnt mit seinem Charakter".

 

Es gibt wohl keine bessere Umschreibung für ein Rennpferd als das Zitat des italienischen Vollblutzüchters Frederico Tesio. Englische Vollblüter verfügen über einen muskulösen, trockenen Körperbau. Ihr tiefer Brustkorb bietet Platz für eine grosse Lunge und ein leistungsstarkes Herz. Diese anmutigen Pferde sind sensibel, temperamentvoll, arbeits- und sehr bewegungsfreudig. Sie sind menschbezogen, äusserst intelligent und lernbegierig.

 

Der Stammbaum des Englischen Vollblüters kann bis zu den Gründerhengsten aus dem frühen 18. Jahrhundert und die Stutenlinien teilweise noch bis in das 17. Jahrhundert zurückgefolgt werden. Während für die Warmblüter (ausgenommen die Trakehner-Zucht) erst Ende des 19./Anfang 20. Jahrhunderts mit der Anlage von Stutbüchern begonnen wurde, veröffentliche England bereits 1793 das erste Gestütbuch (General Stud Book) für Englische Vollblüter.

Die Engländer bezeichnet die Pferderasse als „thoroughbred“, was übersetzt so viel wie "durchgezüchtet" bedeutet. Die Franzosen nennen sie "pur sang" (reines Blut). In der Tat wird der Englische Vollblüter seit ca. 30 Generationen rein gezüchtet, mit dem Ziel schnelle, gesunde, leistungsstarke, ausdauernde Galopprennpferde zu erhalten. Als primäres Zuchtkriterium gilt der Leistungsnachweis der Pferde.

 

Ausserhalb des Rennsports werden Englische Vollblüter in Abstammungspapieren zur einfachen Unterscheidung von anderen Pferderassen mittels "xx" hinter dem Namen gekennzeichnet.

DER HOCHLEISTUNGSSPORTLER

Das Training

Rennpferde sind Hochleistungssportler, die von ihren Trainern und dem Stallpersonal täglich achtsam und hingebungsvoll umsorgt werden. Individuelle Betreuung, pflichtbewusste Pflege, ein gutes Fütterungsmanagement und ein durchdachter Trainingsplan sind im Rennstall eine Selbstverständlichkeit.

 

Die Tagesabläufe gestalten sich in den meisten Rennställen gleich. Jeden Morgen um ca. 05.30 Uhr ist Tagwache. Die Pferde werden gefüttert und die Boxen ausgemistet. Anschliessend werden sie vom Trainer in Trainingsgruppen eingeteilt – sogenannte Lots. Nach einer Aufwärmphase im Schritt und Trab gehen die Pferde auf die Trainingsbahn. Die erste Galoppeinheit ist meist eine ruhige Aufwärmrunde, als "galop de chasse" bezeichnet. Je nach Trainingsplan folgt eine weitere Galoppeinheit in höherer Geschwindigkeit. Dabei wird unterschieden in "ruhiger Canter", "normaler Canter", "guter Canter" oder "Galopp / Arbeit". Um den Mittag sind alle Pferde bewegt. Dann ist Ruhezeit bis zum Abendstall, wo die Pferde nochmals gemistet und gepflegt werden.

Der Renntag

Da die Pferderennen meistens nicht direkt vor der Haustüre stattfinden, beginnt der Renntag oft früh. Wenn das Pferd auf eine Rennbahn mit dem Transporter fährt, wird darauf geachtet, dass es mindestens zwei Stunden vorher dort eintrifft. Der Veranstalter stellt Gastboxen zur Verfügung. Darin können die Pferde relaxen und auf ihren Einsatz warten.

 

Rund eine Stunde vor dem Rennen wird das Pferd von seinem Führer herausgeputzt und warm geführt. 30 Minuten vor dem Rennen wird es vom Trainer gesattelt, um sich anschliessend im Führring den Zuschauern zu präsentieren.

 

Nach dem Rennen wird das Pferd geduscht und trocken geführt. Besonders bei warmen Temperaturen ist eine gute Abkühlung der Pferde sehr wichtig. Die Atmung und der Puls normalisieren sich in der Regel innerhalb 20 Minuten nach dem Rennen. Damit sich aber das Laktat (Abfallprodukt der sich gebildeten Milchsäure) besser abbauen kann, womit es zu weniger Muskelkater kommt und sich die natürlichen Energiereserven wieder aufbauen können, wird das Pferd rund eine Stunde lang im Schritt geführt. Zurück in der Gastboxe kann es sich weiter erholen, bis die Heimreise angetreten wird.

 

Sowohl der Ablauf des Trainings als auch der des Renntages ist meist gleich. Eine Routine, die das Englische Vollblut sehr schätzt und ihm Sicherheit bietet.